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Tierverbrauch
im Tiermedizinstudium
In der tierärztlichen Praxis sollen Tiere geheilt werden. Ob
Pferd oder Maus, es soll alles Mögliche getan werden, um den Tieren
zu helfen und ihre Leiden zu vermindern. So sollte Ziel des Studiums
sein, den angehenden TierärztInnen Ehrfurcht vor allem Lebendigen
und die Verantwortung für den Schutz aller Lebewesen zu vermitteln.
Leider sieht dies in vielen Bereichen des Studiums anders aus. Der
Konkurrenzdruck ist groß; viele fürchten, später schlechtere
Chancen als andere zu haben, wenn sie nicht jede Möglichkeit des
praktischen Lernens nutzen. Auf das Wohl der Tiere wird viel zu häufig
keine Rücksicht genommen; blutig rektalisierte Kühe und
zerstochene Hunde sind Beispiele dafür. In einigen Praktika werden
Tiere extra getötet, die im späteren Berufsleben um jeden Preis am
Leben gehalten werden sollen. Dieses Vorgehen ist in der
Humanmedizin undenkbar und auch in der Tiermedizin völlig unnötig.
Kritik wagt kaum jemand. Dieser Zustand ist für
verantwortungsbewusste angehende TierärztInnen untragbar!
Vorklinische Praktika (1.-4.
Semester)
Anatomiepraktikum
Zum Erlernen der Anatomie der Haustiere werden vorwiegend natürlich
gestorbene bzw. wegen unheilbarer Krankheiten eingeschläferte Hunde
und Katzen verwendet. Häufig werden jedoch auch ursprünglich zum
Schlachten bestimmte Tiere (Pferde, Schafe, Ziegen, Hühner) für
die Präparationen getötet. Während bereits tote Tiere nachträglich
durch Formalinfixierung konserviert werden, kommt es auch vor, dass
Schlachttiere nach der Betäubung noch lebend mit Formalin durchströmt
werden.
Tierverbrauchsfreie Möglichkeiten
Ausschließliche Verwendung natürlich gestorbener bzw.
eingeschläferter Tiere mit nachträglicher Fixierung. Auch in der
Humanmedizin werden schließlich nicht eigens für anatomische
Studien Menschen umgebracht.
Zoologie-Praktikum
Verschiedene Tiere (z.B. Regenwurm, Schnecke, Heuschrecke,
Fisch, Ratte) werden für dieses Praktikum getötet und seziert, um
die Baupläne der unterschiedlichen Tierstämme kennen zu
lernen.
Tierverbrauchsfreie Möglichkeiten
Natürlich gestorbene Tiere (tote Insekten von der
Fensterbank, tote Regenwürmer nach starken Regenfällen, überfahrene
Kröten, eingeschläferte Kleinsäuger aus der Tierarztpraxis), Filme, plastinierte
Tiere, Kunststoffmodelle und Computersimulationen. Wegen der relativ
untergeordneten Bedeutung dieses Praktikums für die Tiermedizin sollte es
auch möglich sein, ganz darauf zu verzichten.
Physiologie-Praktikum
Die ‘klassischen’ Froschversuche zu den Themen Nerv,
Herz und Muskel sind zum Teil bereits durch Alternativen ersetzt
worden. In Hannover wird teilweise ‘Schlachthofmaterial’
verwendet, in Gießen ein Film. Daneben sind - von Hochschule zu
Hochschule unterschiedlich - noch andere Versuche Pflicht- oder
freiwilliger Bestandteil des Praktikums: Kreislaufversuch am
narkotisierten Kaninchen, das anschließend getötet wird; Versuche
am isolierten Rattendarm; Messung der Wärmeproduktion am
Meerschweinchen; Versuche mit dem Pansensaft fistulierter Schafe und
Kühe (diese wurden mit einer verschließbaren Röhre in der
Bauchwand versehen).
Tierverbrauchsfreie Möglichkeiten
Selbstversuche (z.B. Myograph), Computersimulationen, Filme;
Versuche an Pansensaft, der ohnehin zu diagnostischen Zwecken bei
Tierpatienten entnommen wurde.
Biochemie-Praktikum
Beispielsweise in Gießen ist ein Versuch mit Rattenlebern Pflicht.
Tierverbrauchsfreie Möglichkeiten
Verwendung von Lebern natürlich gestorbener Tiere bzw.
Verzicht auf diese Versuche wie in Hannover. Mitochondrien können
auch aus Pflanzenzellen gewonnen werden.
Klinische Praktika (ab 5. Semester)
Chirurgische Praktika
An allen Hochschulen werden natürlich gestorbene, eingeschläferte
oder Schlachttiere für chirurgische Übungen verwendet. Darüber
hinaus wird aber auch an lebenden klinikeigenen Tieren oder
Schlachttieren geübt, die während der Narkose eingeschläfert
werden.
Tierverbrauchsfreie Möglichkeiten
Im Kurs ausschließliche Verwendung von natürlich
gestorbenen oder eingeschläferten Tieren. Dann wird unter Anleitung
eines erfahrenen Chirurgen zunächst bei Operationen an
Tierpatienten assistiert, später werden einfache Eingriffe selbst
vorgenommen: Ein schrittweises Erlernen der Chirurgie, wie es auch
in der Humanmedizin praktiziert wird.
Mikrobiologie-Praktikum
Zum Erlernen diagnostischer Methoden werden Hühnerembryos
von den Studierenden mit Viren beimpft (Gießen, München); auch
werden Mäuse mit Erregern infiziert (München).
Tierverbrauchsfreie Möglichkeiten
Filme.
Versuchstierkunde-Praktikum,
Pharmakologie-Praktikum
In Berlin und München müssen Studierende an einem Kurs für
Versuchstiertechnik teilnehmen, in Hannover gibt es ein freiwilliges
Pharmakologie-Praktikum, in dem Mäuse verwendet werden. An den
anderen Hochschulen existieren diese Praktika nicht.
Tierverbrauchsfreie Möglichkeiten
Praktika durch Vorlesung ersetzen.
Parasitologie-Praktikum, Tropenveterinärmedizin-Praktikum
Zur Beobachtung lebender Parasiten bzw. des
Krankheitsverlaufes werden verschiedene Tiere mit Parasiten künstlich
infiziert (Hannover, Berlin).
Tierverbrauchsfreie Möglichkeiten
Filme, Dias, Dauerpräparate toter Parasiten, Beobachtung von
natürlich infizierten Patiententieren.
Rektalisierungsübungen
Rektalisieren ist eine wichtige diagnostische Methode bei Großtieren.
Teilweise üben die Studierenden an Tierpatienten in den Kliniken.
An den meisten Fakultäten werden aber auch extra für diesen Zweck
gehaltene Kliniktiere rektalisiert. Für die Tiere stellt dies eine
dauerhafte Belastung dar. Weiterhin wird auf dem Schlachthof an
Tieren geübt, die am nächsten Tag geschlachtet werden.
Tierverbrauchsfreie Möglichkeiten
Ausschließliche Verwendung von Tierpatienten. Gleiches gilt
für das Erlernen anderer diagnostischer Methoden: Injektionen,
Blutentnahmen, Nase-Schlund-Sonde schieben, Harnkatheter legen,
Pansensaft entnehmen usw.
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