Tierverbrauch im Studium

Jedes Jahr werden etwa 60.000 Tiere in den Pflichtpraktika der studentischen Ausbildung getötet. Dabei handelt es sich nicht ‘nur’ um wirbellose Tiere wie Regenwürmer, Schnecken, Krebse und Insekten. Auch etwa 15.000 Wirbeltiere wie Ratten, Mäuse, Kaninchen, Frösche und Fische werden von den Studierenden seziert.


Nur mit Tierverbrauch zum Examen?

Wer Biologe, Biologielehrer, Arzt oder Tierarzt werden möchte, wird an den meisten deutschen Universitäten gleich zu Beginn seines Studiums mit dem sogenannten ‘Tierverbrauch’ konfrontiert. Darunter versteht man die Verwendung eigens zu Studienzwecken verwendeter Tiere. In den Praktika zur Morphologie werden Tiere verschiedener Arten getötet und seziert, um den grundlegenden Aufbau der unterschiedlichen Organisationsformen im Tierreich darzustellen. In den Kursen der Physiologie, der Lehre von den Lebensvorgängen, werden besonders häufig die Organe zuvor getöteter Frösche verwendet. Auch Eingriffe und Behandlungen am lebenden Tier, wie zum Beispiel Kreislauf-Versuche am narkotisierten Kaninchen, wurden im Physiologie-Praktikum bisweilen durchgeführt. Doch bei der Durchführung solcher Praktika sind keine neuen Erkenntnisse zu erwarten. Es handelt sich dabei lediglich um die Vermittlung und Veranschaulichung längst bekannten Lehrbuchwissens.


Gewissensnot der Studierenden

Viele Studierende lehnen den ‘Tierverbrauch’ aus Gewissensgründen ab. Doch wer sich weigert, an dieser tierverachtenden Routine teilzunehmen, muss damit rechnen, keinen Leistungsnachweis für das Praktikum zu erhalten. Die Nichterteilung dieses Leistungsnachweises kann zur Aufgabe des Studiums zwingen. So unter Druck gesetzt, beugen die Studenten sich oft diesem Zwang. Manche geben ihr Studium lieber auf, als gegen ihre ethische Überzeugung zu handeln, einige wechseln die Hochschule, wieder andere versuchen auf gerichtlichem Weg, ihr Recht auf Gewissensfreiheit durchzusetzen. SATIS versteht sich als Forum der Studierenden, die den 'Tierverbrauch' im Studium ablehnen.

Perspektiven

Durch die zunehmende Kritik an der Verwendung wehrloser Tiere als Anschauungsobjekte hat sich in den letzten Jahren an den Hochschulen einiges geändert. Versuche an lebenden Tieren wie die Wiederbelebung am offenen Brustkorb von narkotisierten Hunden und Katzen oder das Sezieren von Schildkröten, die noch Mitte der achtziger Jahre zum Pflichtrepertoire einiger medizinischer Hochschulen zählten, gehören der Vergangenheit an. Auch die Anzahl der ‘verbrauchten’ Tiere geht seit dieser Zeit kontinuierlich zurück. Besonders deutlich wird dies am Beispiel des Physiologie-Praktikums für Tiermediziner. Hier ist seit 1989 ein Rückgang von 90 Prozent zu verzeichnen. Zunehmend werden auch Praktika ganz ohne ‘Tierverbrauch’ gestaltet. Im Jahr 1990 verzichteten beispielsweise gerade einmal fünf der 36 humanmedizinischen Fakultäten im Physiologie-Praktikum gänzlich auf den Verbrauch von Tieren, heute sind es bereits vierzehn. Diese Veränderungen wurden zum einen durch die unermüdlichen Proteste zahlloser Studierender ermöglicht, und zum anderen dadurch, dass heute eine Fülle alternativer Lehrmethoden zur Verfügung steht. Die Palette der über 500 verschiedenen ‘tierverbrauchsfreien’ Verfahren reicht von schmerzlosen Selbstversuchen, Computersimulationen, Filmen, interaktiven Videosystemen, Kunststoffmodellen, Plastinationen (in einen plastikartigen, unbegrenzt haltbaren Zustand überführte Tiere oder Organe) bis hin zum Einsatz auf natürliche Weise gestorbener oder aus tiermedizinischen Gründen eingeschläferter Tiere.

Zeit zum Handeln

Ein Trend zu einer tierfreundlicheren Praktikumsgestaltung und zur Anerkennung des studentischen Rechtes auf Gewissensfreiheit ist klar erkennbar. Während Jahr für Jahr Hunderte von Studierenden erfolgreich in den reformierten Praktika ausgebildet werden, beharren die meisten Professoren anderer Universitäten allerdings auch weiterhin auf ihren ‘tierverbrauchenden’ Lehrmethoden. Daher bedarf es eines grundlegenden Bewusstseinswandels vor allem bei den verantwortlichen Professoren, aber auch bei vielen Studierenden, um den ‘Verbrauch‘ von Tieren in der universitären Lehre endgültig abzuschaffen.

 
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