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Es
geht auch anders
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Für alle Übungen an Tieren, die zur Zeit noch im Studium durchgeführt
werden, gibt es zahlreiche Alternativmethoden bzw. ethisch
vertretbare Lehrmethoden, die ohne jegliche Verwendung von Tieren
auskommen. Andere Methoden greifen auf Materialien von Tieren, die
nicht extra für das Praktikum getötet wurden, zurück. Mit Hilfe
dieser Methoden können alle Praktika der Studiengänge Medizin,
Tiermedizin und Biologie tierverbrauchsfrei gestaltet werden. Im
Folgenden werden die wichtigsten tierverbrauchsfreien Lehrmethoden
vorgestellt. Für eine umfassende Darstellung möglicher
tierverbrauchsfreier Lehrmethoden inklusive Bezugsquellen sei auf
das InterNICHE-Buch "Vom Versuchstier zur Computermaus" (Deutsche Übersetzung, kostenloser Download: Bitte hier klicken (pdf)!) verwiesen.
Vor der Beschreibung der einzelnen Methoden soll jedoch noch
kurz diskutiert werden, wie man vorgehen kann, um tierschonende
Lehrmethoden für ein bestimmtes Praktikum zu finden. |
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Wie
findet man eine tierverbrauchsfreie Lehrmethode für einen
bestimmten Praktikumsversuch?
Die
im Praktikum durchgeführten Übungen an Tieren dienen der Erreichung bestimmter
Lernziele. Vor der Suche nach Alternativen müssen daher diese
Lernziele analysiert werden. Dann kann nach ethisch vertretbaren
Methoden gesucht werden, die diese Lernziele ohne Tiermissbrauch
erreichen. Die zu erreichenden Lernziele müssen kritisch diskutiert
werden. Es ist die Frage zu klären, ob die vorgegebenen Lernziele
überhaupt notwendig und wünschenswert sind. Bei nicht notwendigen
oder wünschenswerten Lernzielen kann die Suche nach
Alternativmethoden entfallen. Solche Lernziele und mit ihnen die
Versuche, die sie vermitteln sollen, werden ersatzlos gestrichen.
Ein Beispiel für ein solches Lernziel ist die Erlernung der
Anatomie einer Ratte im Biologiepraktikum für Mediziner. Sollte
also die im Medizinstudium häufig noch geforderte Rattenpräparation
dazu dienen, die Anatomie dieses Tieres zu erlernen, so ist die
Rattenpräparation zu streichen, weil es unnötig ist, dass
Medizinstudenten sich mit der Rattenanatomie auseinandersetzen. Ist
das Lernziel hingegen sinnvoll, wie z. B. das Erlernen der
Muskelphysiologie beim klassischen Froschversuch, so kann die Suche
nach Alternativmethoden beginnen. Oft sind es zahlreiche Lernziele,
die erreicht werden sollen, meist eine Kombination aus praktischen
und theoretischen Zielen. Als praktisches Lernziel kann etwa das
Trainieren manueller Geschicklichkeit genannt werden, als
theoretische Lernziele treten z.B. das Erlernen der Durchführung
wissenschaftlicher Experimente und die Vermittlung physiologischer
Zusammenhänge auf.
Selten wird es eine Alternativmethode geben, die
alle Lernziele gleichzeitig erreichen kann. Sehr wohl kann dann aber
eine Kombination aus verschiedenen Methoden dies leisten. Hier liegt
eines der Missverständnisse der gegenwärtigen Diskussion um
tierverbrauchsfreie Lehrmethoden im Studium: Oft wird einer von
Studenten vorgeschlagenen Alternative vorgeworfen, dass diese nicht
geeignet sei, die Übungen an Tieren zu ersetzen. Dabei wird selten
gesehen, dass zwar die vorgeschlagene Alternative nicht allein, wohl
aber eine Kombination verschiedener Methoden ein Praktikum ohne
Tierverbrauch ermöglichen würde. Am Beispiel des
Morphologiepraktikums soll dies erläutert werden. |
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Schnecken werden durch Ertränken getötet
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Gestaltung
eines alternativen Morphologiepraktikums
Als Lernziele des Morphologiepraktikums könnten aufgeführt werden:
Training der manuellen Geschicklichkeit, praktischer Umgang mit
Tier"material", Erlernen der Anatomie bestimmter Tiere, Überblick
über die Stämme des Tierreichs. Nun gibt es keine
Alternativmethode, die allein diese Vielfalt der Lerninhalte
erreichen könnte. Wohl aber kann eine Kombination verschiedener
ethisch vertretbarer Methoden ein alternatives Praktikum ermöglichen.
Zunächst einmal können Filme eingesetzt werden. Ein Film nimmt
wesentlich weniger Zeit in Anspruch als die eigenhändige Präparation,
so dass in derselben Zeit mehr Tiere vorgestellt werden können.
Zudem können im Film auch Aspekte demonstriert werden, die über
die reine Morphologie hinausgehen, etwa das Verhalten des
betreffenden Tieres. Durch den Einsatz von Filmen kann also das
Lernziel "Überblick über die Stämme des Tierreichs"
besser erreicht werden. Zum Erlernen der Anatomie eines Tieres können
neben Filmen Dauerpräparate, plastinierte Tiere und Modelle (s.u.)
eingesetzt werden. Sie ermöglichen eine intensive
Auseinandersetzung mit der Anatomie, was beim eigenhändigen Präparieren
nicht unbedingt gegeben ist, da viel Aufmerksamkeit für die
manuelle Tätigkeit verwandt werden muss. Außerdem sind die
Studenten meist nicht so geschickt in der Ausführung der Präparation,
so dass oft Strukturen verloren gehen. Daher sind die aufgeführten
Alternativmethoden besser geeignet, die Anatomie von bestimmten
Tieren zu vermitteln als die eigenhändige Präparation. Die
praktischen Lernziele können damit aber nicht erreicht werden. Hier
kann auf Tiere zurückgegriffen werden, die nicht zu
Praktikumszwecken getötet wurden, etwa eingeschläferte Tiere
(s.u.). Der Forderung nach der Verwendung solcher Tiere,
beispielsweise aus Tierarztpraxen wird oft entgegengehalten, dass
die Auswahl der möglichen Tierarten zu gering sei, wenn man sich
auf natürlich gestorbene Tiere allein beschränken wollte. Hierbei
ist allerdings zu bedenken, dass die Vorstellung bestimmter Tiere in
einem Morphologiepraktikum ohnehin nur eine kleine exemplarische
Auswahl darstellt. Diese Auswahl ist von Praktikumsleiter zu
Praktikumsleiter sehr unterschiedlich. Ohnehin soll bei dem von uns
vorgeschlagenen Praktikumsmodell der Schwerpunkt nicht auf der Präparation
liegen. Diese soll vielmehr nur an wenigen Tieren, dafür aber mit
mehr Zeit für das einzelne Tier stattfinden. Hierfür ist die
Auswahl der natürlich gestorbenen Tiere ausreichend.
Wie hier am Beispiel des Morphologiepraktikum beschrieben,
kann auch in anderen Praktika vorgegangen werden: Lernzielanalyse,
Selektion der wünschenswerten Lernziele, Suchen nach
tierverbrauchsfreien Lehrmethoden, die in der Lage sind, diese
Lernziele zu vermitteln. In allen Praktika stellen die ausgewählten
Versuche nur eine exemplarische Auswahl dar. Wenn also für einen
bestimmten Versuch keine geeignete, ethisch vertretbare Alternative
gefunden wird, ist es durchaus möglich, stattdessen einen Versuch
zu einem anderen Thema in das Praktikumsprogramm aufzunehmen.
Bei der Diskussion um Tierverbrauch im Studium und mögliche
Alternativen muss immer auch bedacht werden, dass Lehrinhalte nur
vermittelt werden können, wenn die Studierenden keine ethischen
Bedenken gegenüber der Vermittlungsmethode haben. Wird ein Versuch
nur unter Zwang ausgeführt, wird sich der gewünschte Lernerfolg
nicht einstellen. Auch deshalb sind tierverbrauchsfreie Lehrmethoden
besser geeignet, denn die meisten Studierenden bringt die Durchführung
von Übungen an Tieren in Gewissenskonflikte.
Sollte es in Ausnahmefällen durch den Verzicht auf
tierverbrauchende Methoden zu einer geringen Einbuße an
Anschaulichkeit und zu einer schlechteren Stoffvermittlung kommen,
so halten wir auch dies im Sinne eines tierschutzgerechten Studiums
für vertretbar. |
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Tierverbrauchsfreie
Lehrmethoden
Im folgenden sollen nun die möglichen tierschonenden
Methoden vorgestellt werden. Eine Beurteilung der Methoden ist nur
im Kontext mit dem gewünschten Einsatz möglich. Im allgemeinen
wird es jedoch so sein, dass Methoden, die mit einem hohen Maß an
praktischer Betätigung durch die Studierenden einhergehen, besser
geeignet sind, da sie zu einer höheren Einprägsamkeit führen und
zudem auch von den Lehrenden besser akzeptiert werden.
Die Alternativmethoden können in folgende Gruppen eingeteilt
werden:
• Selbstversuche
• Computerprogramme
• Filme und andere audiovisuelle Methoden
• Modelle zur Simulation/Übung medizinischer Untersuchungen und
Operationen
• Modelle zur Simulation physiologischer Vorgänge
• morphologische Modelle
• Dauerpräparate und plastinierte Organe
• natürlich verstorbene Tiere
• Schlachthofpräparate
• sonstige Methoden |
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schmerzloser Selbstversuch mit dem
Myograph
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Selbstversuche
Der Selbstversuch als Lehrmethode hat viele Vorteile gegenüber
Tierversuchen, aber auch gegenüber anderen Alternativmethoden.
Durch das Experimentieren am eigenen Körper werden alle Sinne
angesprochen und damit die Einprägsamkeit erhöht. Zudem machen die
Versuche Spaß und stoßen auf große Akzeptanz bei den
Studierenden. Bei Medizinstudenten ergibt sich als zusätzlicher
Vorteil, dass durch die Selbstversuche medizinisch relevante
Apparaturen und Untersuchungstechniken kennen gelernt werden können.
Dies stößt bei der häufig beklagten Praxisferne des
Medizinstudiums auf großes Interesse bei den Studierenden. Der große
Lernerfolg durch Selbstversuche ist inzwischen durch zahlreiche
Untersuchungen bestätigt worden. Selbstversuche werden in nahezu
allen Physiologiepraktika auch in den Fächern Tiermedizin und
Biologie schon eingesetzt. Sie könnten aber auch die oft noch üblichen
Froschversuche zu den Themen Nerv, Herz und Muskel ersetzen.
Myographische
Verfahren
Selbstversuche lassen sich mit Geräten
durchführen, die ohnehin in jeder Klinik vorhanden sind, z. B.
können zum Thema Herz EKG-Ableitungen und Herzsonographien am
Menschen gemacht werden. Auch zu den Themen Nerv und Muskel lassen
sich einfache Reiz- und Ableitungsversuche mit Geräten
durchführen, die im normalen klinischen Alltag eingesetzt werden.
Gerade zu diesen beiden Themengebieten gibt es aber auch eine Reihe
von aufwendigeren Apparaturen, die speziell für den Einsatz im
Praktikum entwickelt wurden und besonders viele
Versuchsmöglichkeiten bieten. Oft gehören zu diesen
Versuchsvorrichtungen noch speziell entwickelte Computerprogramme
für eine anschauliche, graphische Versuchsauswertung. Der "Myograph"
beispielsweise ist eine solche komplexe Versuchsapparatur zur Nerv-
und Muskelphysiologie, mit der alle relevanten Versuche zu diesen
Themenbereichen in anschaulicher Weise durchgeführt werden können.
Selbstversuche
zur indirekten Kalorimetrie
Beim Umsatz von Nährstoffen werden in Abhängigkeit
vom O2-Gehalt dieser Stoffe unterschiedliche CO2-Mengen
gebildet. Über den Respiratorischen Quotienten (RQ: expitiertes CO2-Volumen
/ inspiriertes O2-Volumen pro Zeiteinheit) und das
Mischungsverhältnis der umgesetzten Nährstoffe kann die pro
Zeiteinheit freigesetzte Energie bestimmt werden (indirekte
Kalorimetrie). Diese Untersuchung wird an einigen Universitäten mit
Meerschweinchen durchgeführt. Mit einer spirometrischen Messung lässt
sich der Energieumsatz aber ebenso gut im Selbstversuch ermitteln.
Ein Proband atmet durch die Atemmaske des Gerätes, das die
aktuellen Messwerte für Sauerstoffaufnahme und Kohlendioxidabgabe
pro Minute anzeigt. Zusätzlich zu dieser Untersuchung in Ruhe kann
auch die Umsatzsteigerung durch physische Belastung bestimmt werden
(Fahrradergometer). |
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Computersimulation im Einsatz

SimMuscle: Froschmuskelversuch
am PC
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kostenloses
Online-Programm: |
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Computersimulationen
Computersimulationen als Ersatzmethode wird, insbesondere von
den Lehrenden, mit viel Vorbehalten begegnet. Ihnen wird
vorgeworfen, praxisfern, in der Bedienung zu kompliziert,
unanschaulich und langweilig zu sein. Sie vermittelten ein zu
einfaches Bild von der Realität und seien in keiner Weise in der
Lage einen realen Versuch zu ersetzen.
Diese Vorbehalte sind nicht ganz von der Hand zu weisen,
treffen aber für die neueren Programme nur noch in weitaus
geringeren Maße zu. Sie sind meist sehr benutzerfreundlich und
didaktisch oft hervorragend gestaltet. Dies kann aber selbstverständlich
nicht das praktische Arbeiten ersetzen. Hier trifft wieder zu, dass
oft erst eine Kombination mehrerer tierverbrauchsfreier
Lehrmethoden, z. B. Computersimulationen mit Selbstversuchen, eine
optimale Praktikumsgestaltung gewährleistet. Es darf aber auch
nicht übersehen werden, dass die Computerprogramme zahlreiche
Vorteile bieten: Das Lerntempo kann individuell gestaltet werden,
die Versuche sind beliebig oft wiederholbar und die Studierenden
bekommen Kontakt zur Computertechnik, der sonst im Studium meist
erst in einem sehr viel späteren Stadium oder gar nicht erfolgt.
Bei der Computersimulation werden die jeweiligen Experimente
auf dem Computer simuliert. Das Experiment läuft sozusagen auf dem
Computerbildschirm ab. Die verfügbaren Programme sind von sehr
unterschiedlicher Qualität. Sie unterscheiden sich v. a. in
folgenden Eigenschaften:
Interaktivität
Interaktivität bedeutet, dass der Student, der das Programm
bedient, Einfluss auf die Versuche nehmen kann. Die meisten der
heute erhältlichen Programme sind interaktiv, jedoch in sehr
unterschiedlichen Maße. Fast immer können von den Studierenden die
Versuchsparameter gewählt werden. Teilweise ist es auch möglich,
selbst zu steuern, in welcher Reihenfolge die Versuche ablaufen
sollen und bei Bedarf erklärende Texte aufzurufen. Manche Programme
stellen gleichzeitig eine Art Lernprogramm dar, d. h. der Student
muss während des Programms Fragen beantworten. Teilweise ist die
Fortführung des Programms an die richtige Lösung der Aufgaben
gekoppelt, d. h. das Programm läuft erst weiter, wenn die Fragen
richtig beantwortet sind.
Erzeugung
der Ergebnisdaten
Hier gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten: Die Daten der
Versuchsergebnisse, die auf dem Computer präsentiert werden, können
aus in vivo durchgeführten Versuchen stammen, sie werden dann bei
dem entsprechenden Computerversuch einfach wiedergegeben. Es werden
also bei jedem erneuten Versuchsdurchlauf dieselben Daten präsentiert.
Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Daten unter Verwendung
von Zufallsparametern von einem mathematischen Programm erzeugen zu
lassen. Dabei besteht der Vorteil, dass nicht alle Studenten
dieselben Versuchsergebnisse erzielen, sondern bei jedem
Versuchsdurchlauf andere Ergebnisse gefunden werden, so wie dies
beim echten Experiment auch der Fall ist.
Integration
von Bild- oder Videomaterial
Ein großer Nachteil vieler Computerprogramme besteht darin,
dass die bildlichen Darstellungsmöglichkeiten auf einem normalen
PC-Bildschirm ohne aufwendige Zusatzausstattung sehr beschränkt
sind. Auf dem Bildschirm mancher Programme sieht man z. B. nur einen
Graphen und dies ist wirklich langweilig. Mit Hilfe modernster
Technik, wie z. B. Bildplatten, ist es aber auch möglich, auf dem
Bildschirm ganze Videos, etwa zur Froschpräparation, ablaufen zu
lassen und so ein sehr reales Erleben zu ermöglichen. |
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Filme
und andere visuelle Methoden
Gegenüber Filmen und Dias bestehen ebenso wie gegenüber
Computerprogrammen große Vorbehalte. Vor allem wird befürchtet,
dass die Filme zu langweilig seien und daher nicht den gewünschten
Lerneffekt erreichen könnten. Auch wir sind der Meinung, dass ein
Praktikum nicht nur aus dem Ansehen von Filmen bestehen sollte, in
Kombination mit anderen Methoden stellen Filme aber eine gute
Lernmethode dar. Sie haben den Vorteil, dass sie beliebig oft
wiederholt werden können und durch Großbildtechnik, Zeitlupentempo
und Zoom wirklich alle Studierenden sehen können worauf es ankommt,
was etwa bei Präparationen durchaus nicht immer der Fall ist.
Allerdings muss bedacht werden, dass auch zur Herstellung von Filmen
Tiere verwendet und getötet werden. |
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Blutabnehmen üben am Kunststoffmodell
eines Hundes
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Modelle
zur Übung medizinischer Untersuchungen und Operationen
Sowohl für Human- als auch für Tiermediziner sind eine
Reihe von Operationssimulatoren erhältlich, an denen chirurgische Nahttechniken, das Erlernen von Infusionstechniken und intravenösen Injektionen geübt werden können.
Auch komplexere Operationen können an Operations-Simulatoren
trainiert werden. Ein einsetzbares Magenmodell ermöglicht das
Erlernen eines Eingriffs an einem mit Flüssigkeit gefüllten
Hohlorgan. Auch das fachgerechte Assistieren bei verschiedenen
chirurgischen Grundeingriffen kann mit solchen Modellen geübt
werden. Da die Modelle geruchlos sind, können Studierende auch zu
Hause nach Belieben damit üben. Selbst die künstliche Darstellung
von Abdomen und Thorax ganzer Hunde oder Menschen sind heute möglich.
Damit ist es möglich weitere chirurgische Eingriffe ohne die
Verwendung von Versuchstieren zu trainieren.
Das P.O.P.-Trainingsgerät steht für die Simulation von Operationen
in minimal invasiv chirurgischen Techniken zur Verfügung. Mit
einer elektronisch gesteuerten und druckkontrollierten Pumpe werden
Tierorgane und Organkomplexe (vom Schlachthof) mit gefärbter Flüssigkeit
perfundiert. Dadurch wird die Durchblutung der Organe imitiert. Die
Organe befinden sich ein einem Gehäuse; eine Neoprenmatte ersetzt
die Bauchdecke. Es können abdominalchirurgische,
thoraxchirurgische, urologische, gefäßchirurgische und gynäkologische
Eingriffe geübt und eine gezielte Beherrschung von
Blutungskomplikationen trainiert werden.
Zum Erlernen mikrochirurigischer
Techniken werden meist Ratten verwendet. Diese können durch
Operationshandschuhe und Silastikschläuche / -röhrchen ersetzt
werden. An den Handschuhe können zunächst der Umgang mit dem
Operationsmikroskop und grundlegende Knotentechniken trainiert
werden. Silastikschläuche können durchtrennt und so für
Anastomosen verwendet werden. Durch die Reduzierung des
Schlauchdurchmessers kann der Schwierigkeitsgrad schrittweise erhöht
werden.
Eine tierschonende Alternative zu den Rektalisierungsübungen an Kliniks- und Patiententieren wurde an der
Veterinärmedizinischen Universität Wien gebaut. Das Übungsphantom
stellt die hintere Hälfte eines Pferdes im Maßstab 1:1 dar. Die
Bauchhöhle ist mit Kunststofforganen und imprägnierten Organen von
Schlachttieren bestückt. Der Schließmuskel wird durch eine
Gummiplatte simuliert. Studierende können mit diesem Modell das
Ertasten innerer Organe durch das Rektum üben, ohne lebende Tiere
dieser belastenden Untersuchung auszusetzen. |
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Modelle
zur Simulation physiologischer Vorgänge
Eine Alternative zum Herz-Kreislauf-Versuch am narkotisierten
Kaninchen ist ein mechanischer
Zirkulationssimulator. Das "Herz" des Simulators
besteht aus einer Spritze, deren Kolben von einem Motor (dem
"Herzmuskel") hin und her bewegt wird. Wird der Kolben zurückgeführt,
füllt sich die Spritze durch den Druckunterschied zwischen ihr und
den "Venen". Arterien und Venen werden durch Plastikschläuche
dargestellt, die präkapillaren Sphinkter durch Schraubzwingen und
die Kapillaren durch kleine Röhren. Laufend registriert werden
arterieller und venöser Druck sowie das Schlagvolumen resultierend
aus der diastolischen Füllung und dem systolischen Redidualvolumen.
Mit diesem Modell können Windkesselfunktion und Vasokonstriktion
(beim Tier durch Adrenalingabe) demonstriert werden sowie die
Regulationsmechanismen des Herz-Kreislauf-Systems bei Bewegung, beim
Heben und Senken der "Beine" und bei Bluttransfusion. Aber
auch pathologische Zustände können simuliert werden:
Arteriosklerose, Blutung und Klappeninsuffizienz. Mit dem Simulator
lassen sich die Zusammenhänge im Herz-Kreislauf-Systems wesentlich
anschaulicher demonstrieren als am Tier, da alle Teile des Systems
auf einen Blick erfasst werden können und jede Reaktion sofort
deutlich sichtbar wird.
Der Neuronsimulator veranschaulicht
prinzipielle Vorgänge in der Nervenzelle und an der Synapse. Die
Frontplatte des kastenförmigen Neuronsimulators zeigt das Schema
einer Nervenzelle mit Soma, Axon und Dendriten. Ein afferenter Nerv
verbindet einen Photorezeptor über eine Synapse mit der
Nervenzelle. Drei erregende und eine hemmende Synapse (mit
Druckknopf bedienbar) steuern das Neuron an. Als Anzeige der Summe
der momentan synapsen- oder rezeptorgesteuerten Reize auf die
Nervenzelle dient eine Leuchtdiodenzeile, die durch volles
Aufleuchten das Erreichen der Reizschwelle anzeigt. Bei Überschreitung
der Schwelle wird ein „Aktionspotential“ abgeleitet, das
akustisch über einen Lautsprecher und optisch über eine
Leuchtdiode angezeigt wird. Darüber hinaus lassen sich die
Aktionspotentiale auch auf einem Oszilloskop bzw. Computerbildschirm
darstellen. |
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Morphologische
Modelle
Durch morphologische Modelle werden anatomische Strukturen
nachgebildet. Bei den angebotenen Modellen handelt es sich meist um Plastikmodelle.
Diese eignen sich zwar nicht für das Erlernen von Präparationstechniken,
durch ihre teilweise beachtliche Detailgenauigkeit vermögen sie
aber wesentlich zur Veranschaulichung der Morphologie der Tiere
beizutragen. Bei zahlreichen angebotenen Modellen lassen sich die
Organe herausnehmen und zerlegen. Zum Teil werden sogar Modelle von
pathologisch veränderten Organen und Modelle von verschiedenen
Entwicklungsstadien von Tieren angeboten. Für die Formenkenntnis
der Tierwelt eignen sich Modelle ganzer Tiere. |
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plastinierte Meerschweinchen
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Dauerpräparate
und Plastination
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Organe oder ganze Tiere
dauerhaft haltbar und studierbar zu machen. Hierzu zählen z. B. das
Einlegen in Alkohol oder das Eingießen in Kunstharz. Diese Methoden
werden in unterschiedlichem Umfang in allen morphologischen
Praktika, meist jedoch nur als Ergänzung zur Tierpräparation
eingesetzt. Eine neuere und bessere Methode stellt die Plastination
dar. Auch dabei handelt es sich um ein Verfahren zur Haltbarmachung
von Tieren oder Tierteilen. Dabei werden jedoch nicht wie etwa bei
der Alkoholfixierung die Präparate in das Fixiermittel eingelegt,
sondern die haltbarmachenden Stoffe werden in das Präparat, bis in
die einzelnen Zellen, eingebracht. Dies ermöglicht außer der
Haltbarmachung bei vollen Erhalt der natürlichen Farben auch das
Erhalten der anatomischen Strukturen bis auf die histologische Ebene
hinab. So sind noch nach Jahren feingewebliche Untersuchungen möglich.
Außerdem wird das Präparat durch die Plastination, anders als bei
alkoholfixierten Präparten, im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar
gemacht, d. h. es befindet sich nach der Plastination in einem
gummiartigen Zustand und kann direkt angefasst werden. Zudem ist das
Plastinationsverfahren preiswert: Ein plastiniertes Tier ist in der
Regel weniger teuer als ein Plastikmodell desselben Tieres.
Um Organe zu plastinieren werden diese zunächst wie üblich
chemisch fixiert, entwässert und entfettet. Die so vorbehandelten
Gewebe werden sodann in ein Gefäß mit Plastinations-Kunststoff
verbracht. Im fast luftleeren Raum einer Vakuumkammer perlen dann
die niedrigsiedenden Fixationsflüssigkeiten aus dem Präparat
heraus und die Gewebe saugen sich stattdessen mit dem Kunststoff
voll. Das Gewebe wird dabei nicht geschädigt, es schrumpft nur
minimal. Je nach Interesse lassen sich die hergestellten Präparate
trübe oder durchsichtig, hart oder weich, am Stück oder in dünnen
Scheiben herstellen. Für den Einsatz im Morphologiepraktikum können
z.B. Tiere in unterschiedlichen Präparationsstadien plastiniert
werden. Dabei können alle Organe und Tiere, auch größere Tiere
wie Hunde oder Katzen verwendet werden.
Für den Einsatz im Praktikum ist zu bedenken, dass auch die
Herstellung von plastinierten Tieren mit einem Tierverbrauch
einhergeht, zumal wenn ein ganzes Praktikum mit solchen Tieren
ausgestattet werden soll. Es können jedoch auch natürlich
verstorbene Tiere verwendet werden, die z. B. von Tierärzten
beschafft werden, dann an der jeweiligen Universität in gewünschter
Weise präpariert und so vorbereitet zur Plastination geschickt
werden. |
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Verantwortbare
Verwendung toter Tiere
Für anatomische Studien, insbesondere im Tiermedizin- und
Biologiestudium, ist die Verwendung von toten Tieren kaum
verzichtbar. Hierfür müssen aber nicht Tiere extra getötet
werden, sondern es können natürlich verstorbene, verunfallte oder
eingeschläferte Tiere verwendet werden. Natürlich gestorbene Tiere
findet man in der Natur. Verunfallte Tiere kann man z. B. bei der Krötenwanderung
finden. Durch Kooperation mit Tierärzten und nach entsprechender
Aufklärung der Patientenbesitzer ist es möglich einen ganzen
Morphologiekurs mit eingeschläferten Kleinsäugern zu versorgen.
Von Professoren wird gegen die Verwendung von natürlich
verstorbenen bzw. eingeschläferten Tieren häufig angeführt, dass
eine solche Vorgehensweise aus rechtlichen Gründen nicht gestattet
sei. Dabei wird auf das Tierseuchenrecht sowie das Tierkörperbeseitigungsgesetz
Bezug genommen.
Das Tierseuchengesetz (TSG) beschäftigt sich mit der Bekämpfung
bereits ausgebrochener Seuchen und regelt die Verfahrensweise in
einem solchen Fall. So sind etwa in §10 TSG Pflichten zur Anzeige /
Meldung bestimmter Tierseuchen festgelegt. Dies ist für die
Verwendung von Tieren im Praktikum nicht einschlägig. Ohnehin sind
für die im Praktikum hauptsächlich relevanten Kleinsäuger
lediglich zwei sehr seltene Erkrankungen des Kaninchen erwähnt: die
Chinaseuche (anzeigepflichtig) und die Tularämie (meldepflichtig).
Andere für die Praktika relevante Tierarten, wie Mäuse, Ratten,
Hamster und Meerschweinchen finden in dem Gesetz keine Erwähnung.
Die
Verhinderung der Übertragung von Krankheiten ist eher Aufgabe der
Bestimmungen des Tierkörperbeseitigungsgesetzes (TKBG), weshalb
dieses in unserem Zusammenhang mehr Relevanz besitzt. Es fordert,
dass „Tierkörper und -teile so zu beseitigen sind, dass die
Gesundheit von Mensch und Tier nicht durch Erreger übertragbarer
Krankheiten oder toxischer Stoffe gefährdet, Gewässer, Boden und
Futtermittel nicht ... verunreinigt ... werden.“ „Körper von
Einhufern, Klauentieren, Hunden, Katzen, Geflügel, Kaninchen und
Edelpelztieren, ..., Körper von Tieren aus Zoos oder Tierhandlungen
sowie herrenlose Tiere sind in Tierkörperbeseitigungsanstalten zu
beseitigen. Dies gilt auch für Körper anderer Tiere, wenn die zuständige
Behörde dies anordnet.“ Ausnahmen sind möglich, z.B. wenn
einzelne Tierkörper vergraben werden sollen. Denkbar wären jedoch
auch Ausnahmeregelungen für in anderen Fällen. Dies ist indes für
eine Verwendung von Tieren in Praktika gar nicht notwendig. Die
Tiere können nach der Verwendung z.B. zu Präparationszwecken der
Tierkörperbeseitigungsanlage zugeführt und so auf die geforderte
Weise entsorgt werden. Das Gesetz fordert nicht, die Tiere sofort
nach den Tod zu beseitigen.
Letzte Zweifel eines Praktikumsleiters können ausgeräumt
werden, wenn vom Studierenden eine Erklärung unterzeichnet wird,
nach der jedes Risiko von ihr/ihm selbst getragen wird. Diese
Vorgehensweise wird bereits an mehreren Universitäten praktiziert. |
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Rinderaugen
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Schlachthofpräparate
Zur Muskel- und Nervenphysiologie werden inzwischen
an einigen Universitäten Schlachthofmaterialien eingesetzt. Während
Organpräparate von Fröschen, wie sie üblicherweise zu den Themen
Nerv und Muskel eingesetzt werden, relativ problemlos über mehrere
Stunden funktionsfähig gehalten werden können, erfordert die
Verwendung von Tiermaterialien von Warmblütern ein aufwendigeres
Verfahren. Auch andere Materialien, insbesondere Nerven und glatte
Muskulatur des Darmes können aus Schlachthofabfällen hergestellt
werden. Auch wenn diese "Materialien" normalerweise
weggeworfen werden, ist ihre Verwendung als ethisch bedenklich
anzusehen und sei an dieser Stelle nur der Vollständigkeit halber
aufgeführt. |
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Sonstige
Methoden
Untersuchungen
mit Pflanzenmaterial
Für bestimmte Untersuchungen im Biochemiepraktikum werden
Mitochondrien benötigt, die meist aus Rattenlebern gewonnen werden.
Rote Beete, Blumenkohl, Kartoffeln oder eignen sich ebenfalls zur
Isolation von Mitochondrien.
Birgit
Völlm
Auszug aus: Rieg/Völlm/Feddersen/Gericke: Über Leichen zum Examen - Tierversuche im Studium. TIMONA-Verlag Bochum. 2. Auflage
1996. |
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SATIS www.satis-tierrechte.de Letzte Aktualisierung 09.06.2010
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